Vor dem Zweiten
Weltkrieg war Dresden eine der schönsten Städte der Welt. Ein Sohn der Stadt,
Erich Kästner, hat es treffend beschrieben: „Wenn es zutreffen sollte, dass ich
nicht nur weiß, was schlimm und hässlich, sondern auch, was schön ist, so
verdanke ich diese Gabe dem Glück, in Dresden aufgewachsen zu sein.“ (Als ich
ein kleiner Junge war)
Wer heute in Dresden
aufwächst, kann sich zwar am neugestalteten Dresdner Neumarkt erfreuen und an
Zwinger und Schloss. Wer jedoch über die Augustusbrücke zur Inneren Neustadt
läuft, trifft eher auf triste Plattenbauten als auf Schönheit. Was die Bomben
im Zweiten Weltkrieg nicht weggeräumt haben, hat die Regierung der DDR besorgt
– wie immer in einer Nacht- und Nebelaktion. Geblieben sind der ansehnliche
Straßenzug der Königsstraße sowie das Kügelgenhaus. Sonst säumen Plattenbauten
die Hauptstraße bis zum Albertplatz, der ebenfalls eingekesselt ist von
Platten. Einzig das Kästner-Museum, die Villa seines Onkels, ist ein Lichtblick.
Erich Kästner saß als Kind oft auf der Mauer, die die Villa umgibt, um das
Treiben auf dem Albertplatz zu beobachten. Seine Aussicht war weitaus
angenehmer als heute.
Die Gesellschaft
Historischer Neumarkt, die bereits wohlwollend und mit gutem Ergebnis den
Neumarkt wiederhergestellt hat, möchte sich künftig dem Neustädter Markt
widmen. Diesmal will man leider – wenig konsequent – auf Rekonstruktionen
verzichten. Vielmehr hofft Vorstand Torsten Kulke, dass dabei an die Wurzeln
der Dresdner Bürgerhäuser angeknüpft wird. Ein frommer Wunsch, der bei einigen
Gebäuden am Neumarkt auch nicht erfüllt wurde, was nicht an der Gesellschaft
Historischer Neumarkt lag, sondern an den Stadtplanern, die sich gern moderner
geben als sie tatsächlich sind. Immerhin: Das ehemalige
Neustädter Rathaus soll rekonstruiert werden. So plant es jedenfalls die Initiative Neustädter Rathaus Dresden (http://www.neustaedter-rathaus.de), die bei ihrem Vorhaben jedoch auf Investoren angewiesen ist, die Dresden zu altem Glanz verhelfen möchten.
Das Interview mit Herrn
Kulke finden Sie unter: http://www.neustaedtermarkt.de/2014/august-wuerde-nicht-gern-neben-platten-stehen